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dok:sproeck_bio_2011

Handwerksmeister, Bezirkspolitiker und Esperanto Poet aus dem Prenzlauer Berg

Adolf Sproeck (1890-1978)

Fritz Wollenberg hat einen 1 1/2 seitigen Beitrag über Adolf Sproeck in der Zeitschrift Mittendrin Nr. 3 veröffentlicht.

Es ist die Vorbereitung für die historisch-biografische Veranstaltung am 26. Juni 2011 um 14.00 Uhr ins ZENTRUM danziger50, bei der die verschiedenen Gesichter des Adolf Sproeck näher beleuchtet werden.

„Stimmenthaltungen schätze ich nicht.“Dieses geflügelte Wort kann als das Lebensmotto.von Sproeck betrachtet werden.

14.00 Uhr

„Sozialdemokrat und Arbeiter-Esperantist“

Sproeck als Gründer und Organisator von Arbeiter-Esperanto-Organisationen, als Redakteur und Publizist zwischen 1911 und 1933

15.45 Uhr

„Bezirksparlamentarier und Esperanto-Poet“

Sproecks Wirken als SPD-Bezirksverordneter nach 1945 und sein belletristisches Werk. Beispiele aus seinem dichterischen Schaffen sind hier zu sehen.

Ende ca. 17.00 Uhr

Anmeldungen bitte bis 24. Juni 2011. ZENTRUM Danziger 50, 10435 Berlin, Danziger Str. 50 (pressestelle@kvpb.de, Tel: 030 43 20 20 67; Fax: 030 446 777 39).

Am 26. Juni erinnern der Kulturverein Prenzlauer Berg und seine Esperanto-Gruppe durch eine historisch-biografische Veranstaltung an eine Persönlichkeit, die den Esperanto-Spruch an der Fassade des Kulturzentrums Danziger 50 in besonderer Weise lebendig machte „EN PRENCLOVA MONTO AL APOLLONO KAJ AL LA MUZOJ“ – Im Prenzlauer Berg dem Apollo und den Musen„.

Mit dem Kulturverein und dem Zentrum Danziger 50 gibt es eine Adresse in Prenzl'Berg für vielfältige küntlerisch-kulturelle Kreativität, zu der auch die Esperantosprecherinnen und –sprecher beitragen, die sich hier treffen

Das Jahr 2011 begann für sie mit einem Konzert des russichen Liedermachers Michael Bronstein, der auch einige seiner zahlreichen selbst gedichteten Lieder in Esperanto vortrug.

Für Adolf Sproeck, geboren 1890 als Sohn eines Schneidermeisters, war der Zugang zu Kunst und Kultur nach dem Besuch der Volksschule nicht selbstverständlich.

Er erlernte das Tapezier- und Dekorateurhandwerk, legte 1925 die Meisterprüfung ab und eröffnete 1938 eine Polsterei in der Gaudystraße 6. Daneben aber interessierten ihn Literatur und Sprache. Er erlernte 1907 die internationale Sprache Esperanto und erschloss sich die deutsche Kultur und die Kultur anderer Völker. Die von ihm 1917 veröffentlichte Nachdichtung des Heine-Gedichtes „Die Lotusblume“ (Lotuso) wurde immer wieder veröffentlicht und ist heute neben anderen von ihm ins Esperanto übersetzten oder original in Esperanto geschaffenen Gedichten und kleinen Erzählungen im Internet präsent.

Wie aus ihm ein „Esperanto-Poet“ wurde, der seine Werke auch vortrug, sich sogar an die Übersetzung von Goethes „Faust“ wagte und bis ins hohe Alter neben seinem Handwerk dichtete, wird in der Veranstaltung am 26. Juni thematisiert.

Joseph F. Berger, Redakteur mehrerer Esperanto-Zeitungen, musste in der Rezension zu Sproecks humoristischem Buch „La skurila libro“ (Kopenhagen, 1968) bei aller Kritik gestehen: „Die Skurilitäten kamen gut an, …, und auch ich, als ich es hörte und zuhörte, konnte dieser „Stimme des Volkes“ meine Zustimmung nicht versagen.“

Sproecks Name ist auch verbunden mit der Gründung der ersten Arbeiter-Esperantisten-Vereinigung Groß-Berlin, die noch im Gründungsjahr dem Deutschen Arbeiter-Esperanto-Bund beitrat (Oktober 1911), einer in der Tradition sozialdemokratischer Arbeiterbildungsvereine stehenden Kulturorganisation. Sproeck leitete Esperanto-Kurse und führte die Berliner Organisation. Später wurde er Redakteur der Bundeszeitschrift „Der Arbeiter-Esperantist“ (1922-1927). Sein Anliegen, den Arbeitern Zugang zu Bildung und Kultur und zu internationaler Verständigung durch Esperanto zu ermöglichen, wird ein weiteres wichtiges Diskussionsthema der Veranstaltung sein.

Sproeck war seit 1912 Sozialdemokrat, und er blieb es zeitlebens. Das brachte ihn in manchen Konflikt. Er verließ den Arbeiter-Esperanto-Bund wegen dessen zunehmender kommunistischer Orientierung, gründete 1929 die Freie Arbeiter-Esperantisten-Vereinigung Berlins und war 1930 an der Gründung des Sozialistischen Esperanto-Bundes beteiligt. Der Machtantritt des Faschismus beendete die legale Tätigkeit der Arbeiter-Esperantisten. Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde er kein Soldat, war aber gefährdet.

1946 wurde er Bezirksverordneter für die SPD in Prenzlauer Berg. Für SPD-Mitglieder wurde jedoch die Situation in Ostberlin immer schwieriger. Der SPD-Bürgermeister von Prenzlauer Berg Kurt Exner legte im Dezember 1948 sein Amt nieder. Sproeck verließ den Prenzlauer Berg, wo er so lange gewohnt hatte (Choriner Straße 45) und zog 1949 nach Wilmersdorf. Daraufhin wurde seine Polsterei 1952 enteignet. Er eröffnete eine neue in Charlottenburg. Im Jahr 1949 wurde in Westberlin die Esperanto-Liga Berlin gegründet, während in der Sowjetischen Besatzungszone ein Organisations- und Publikationsverbot für Esperanto in Kraft trat, das bis 1961 in der DDR galt.

Anhand der Akten im Landesarchiv lassen sich einige Ereignisse jener Zeit rekonstruieren.

Sproeck war 1950 bis 1971 dann Vorsitzender der Esperanto-Liga Berlin, ab 1951 Berliner Landesverbandes des Deutschen Esperanto-Bundes. Am regen kulturellen Esperanto-Leben jener Zeit in Westberlin ist er beteiligt. Jan Fethke, der polnische Drehbuchautor und Filmregisseur, auch bereits bekannt durch originale Esperanto-Romane, lässt sich 1959 in Westberlin nieder und verfasst dort Erinnerungen und Erzählungen in Esperanto. Die Neuköllner Esperanto-Jugend-Gruppe organisiert Interzonentreffen. Eine Jugendliche von damals leitet heute in Brasilien die Schule mit Landgut „Bona Espero“, wo brasilianische Kinder und Jugendliche eine Ausbildung erhalten.

Sproeck verfolgte die Entwicklung in der DDR, insbesondere in Ostberlin, wo sich auch ehemalige Arbeiter-Esperantisten für eine Legalisierung des Esperanto engagieren. Ab 1965 organisieren sich die Esperantisten hier im Kulturbund.

Sproeck setzte auch die schon vor dem 1. Weltkrieg begonnene publizistische Tätigkeit fort. Während des 1. Weltkrieges, in den er als Funksoldat ziehen musste, gab er die handgeschriebene Antikriegszeitung „La Rondiranto“ (1916-1919) heraus, er schrieb Beiträge für „Antauen“ (Vorwärts), „Der Arbeiter-Esperantist“ und „La Socialisto“. Viele Beiträge betreffen Literatur und Sprache. Er äußert sich aberauch weiter politisch. In einem Beitrag verteidigt er 1962 in der britischen Zeitschrift „The socialist leader“ seine positive Haltung zur EWG und zur Freizügigkeit der Arbeiter. In einer Leserzuschrift an die SPD-Zeitung „Berliner Stimme“ bekennt er sich zu Atheismus und Freidenkertum als einer Anschauung neben der Tolerierung verschiedener Religionen in der SPD und meint: „Nächstenliebe und Toleranz sind nicht alleinige Monopole christlichen Glaubens.“ „Stimmenthaltungen schätze ich nicht“ – an diesen Auspruch Sproecks erinnert der Ökonom und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Esperanto-Bundes Dr. Werner Bormann (Hamburg). Er soll das Motto für die historisch-biografische Veranstaltung sein.

Eine Ausstellung mit Veröffentlichungen Sproecks und Dokumenten aus seinem Nachlass wird Gelegenheit geben zum Kennen lernen von Details und zur Diskussion.

Adolf Sproeck (1890-1978) estis fondinto kaj unua prezidanto de Laborista Asocio Grand Berlino en augusto 1911, kiu en oktobro alighis al Germana Laborista Esperanto-Asocio (GLEA). En kontraumilita manskribita gazeto „La rondiranto” (1916-1919) li priskribis siajn travivajhojn tiutempajn.

Li – migrante kiel metiisto - renkontis en Dresdeno en 1910 Leopold Schlaf, la fondinton de multaj laboristaj Esperanto-grupoj, kiuj en aprilo 1911 fondis GLEA. Sproeck publikigis multajn artikolojn en la gazetoj de GLA (ekde 1920 LEA) „Antauen“ kaj “(Der) Arbeiter-Esperantist“ ((La) laborista Esperantisto) pri mondkonceptaj, politikaj, organizaj, lingvaj kaj instrumetodaj demandoj. En 1922 li farighis redaktoro de la asocia gazeto de LEA Li estis membro de Socialdemokratia Partio de Germanio (SPD) ekde 1912 kaj agadis lau socialdemokrata pozicio.

Pro kritika starpunkto rilate al Sennaciisma Asocio Tutmonda (SAT) kaj al kreskanta komunisma influo en LEA li en 1927 retirighis el la posteno de redaktoro, en 1929 forlasis LEA por fondi en Berlin „Liberan Laboristan Esperantistan Unuighon de Berlino“ kaj en 1930 kunfondis Socialistan Esperanto-Asocion, por kies gazeto „La Socialisto“ (samtempe gazeto de Austria Laborista Ligo Esperantista (ALLE) li nun skribis kontribuojn. La fashismo finis en 1933 oficialan agadon de laboristaj esperantistoj.

Post la milito la tapetista majstro (ekde 1925) estis deputito en distrikta parlamento Berlin Prenzlauer Berg por la SPD. En 1949 li translokighis al Okcidenta Berlino, lia vendejo en Prenzlauer Berg estis eksproprietigita. Li malfermis novan en Berlin-Charlottenburg.

Por Esperanto li nun aktivis en Germana Esperanto-Asocio. De 1950 ghis 1971 li estis prezidanto de Esperanto-Ligo Berlin (ELB) en dupartigita urbo. Kiel LKK-prezidanto li gvidis organizadon de la Germanan Esperanto-Kongreso en 1960.

D-ro Werner Bormann, siatempa prezidanto de GEA, rememoras, ke oni volonte uzis liajn organizajn spertojn en GEA. Li ofte gvidis kunvenojn, kaj lian faman frazon „Mi ne shatas sindetenojn” havas kelkaj ankorau en memoro, ekzemple d-ro Ulrich Lins.

Beletraj verkoj originalaj kaj tradukitaj de Sproeck estas troveblaj en interreto kaj en „La skurila libro“ (Kopenhago 1968).

En lia postlasajho savita en la 70aj jaroj de Ina kaj Hermann Tautorat por la ELB-arkivo ne nur trovighas historiaj valorajhoj kiel „La rondiranto“, sed ankau manuskriptoj, ekzemple traduko de „Fausto“, de „Dreigroschenoper“ (Trigrosha Opero) kaj de tria parto por „Germana Antologio“.

En aprilo aperos kontribuajho en Berlinaj gazetoj pri Sproeck rilate al la 100-jarigho de la fondo de GLEA kaj ghis la 26a de Junio 2011 ni deziras kompletigi biografion kaj preparos ekspozicion.

dok/sproeck_bio_2011.txt · Zuletzt geändert: 2015/03/17 18:01 von roland